Institut für Umweltplanung Institut Personen Michael Reich Forschungsprojekte
Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen

Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen

Leitung:  Prof. Dr. Michael Reich (Uni Hannover), Prof. Dr. von Helversen (Uni Erlangen)
Team:  Dr. Robert Brinkmann (Uni Hannover), Dipl.-Ing. Ivo Niermann (Uni Hannover), Dr. Oliver Behr (Uni Erlangen)
Jahr:  2009
Förderung:  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Laufzeit:  Januar 2007 - Dezember 2009
Ist abgeschlossen:  ja

Der Abschlussbericht des Forschungsvorhabens ist nun (Juni/Juli 2011) veröffentlicht und kann im Buchhandel (ISBN 978-3-86955-753-3) oder direkt beim Verlag erworben werden.


Fachtagung am 09.06.2009:

Fachtagung zur Präsentation der Ergebnisse des Forschungsvorhabens
09. Juni 2009 | Hannover | Sheraton Pelikan
Programm (123KB)

Die Kurzfassungen der Vorträge erhalten Sie hier zum download (4,5 MB).
Fotos der Veranstaltung finden Sie hier.

Fragen an: niermann@umwelt.uni-hannover.de


Förderzennzeichen (FKZ): 0327638A und 0327638B
Gesamtfördersumme: 1.100.341,00 €

Projekträger: Projekttäger Jülich, Erneuerbare Energien (PtJ-EEN)

Projektkoordination:
Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung:
Dr. Robert Brinkmann

Kooperationspartner:
Universität Erlangen – Institut für Zoologie, Lehrstuhl II:
Prof. Dr. Otto von Helversen †
Dr. Oliver Behr
 
Forschungsinstitut für Optronik und Mustererkennung – Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften e.V. (FOM), Ettlingen
Dr. Ebert
 
ENERCON GmbH, Aurich
Dipl.-Ing. Boris de Wolf

Hintergrund und Ziel des Vorhabens:
Angesichts der globalen Erwärmung ist schon vor Jahren das politische Ziel formuliert worden, den weiteren Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu begrenzen. In Deutschland wurde daher schon 1991 eine gesetzlich gesicherte Einspeise­vergütungen geführt, mit der Elektrizitäts­versorgungs­unternehmen verpflichten werden elektrische Energie aus regenerativen Quellen abzunehmen. Das hieraus resultierende günstige Investitionsklima hat dazu geführt, dass Deutschland heute das Land mit der größten installierten Windenergie­leistung weltweit ist. Trotzdem sind weitere Anstrengungen im Klimaschutz notwendig um die bislang formulierten Ziele zu erreichen. In der Folge wird die Bedeutung der regenerativen Energien – auch der Windenergie – weiter zunehmen und ihr Ausbau weiter voranschreiten.

Seit einigen Jahren ist jedoch bekannt, dass Fledermäuse auch in Deutschland an bestimmten Standorten an Windkraftanlagen verunglücken. Zuvor war dieses Phänomen aus den USA und anderen Ländern bekannt geworden. Mittlerweile wurden von den 24 in Deutschland vorkommenden Arten 13 Arten als Schlagopfer unter hiesigen Windkraftanlagen gefunden. Nach dem aktuellen Kenntnisstand scheinen fünf Arten, auf die 90 % aller bisher gefundenen verunglückten Tiere entfallen, besonders betroffen zu sein (Dürr 2007). Auf der anderen Seite genießen Fledermäuse europa- und bundesweit (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG bzw. Bundesnaturschutzgesetz) einen strengen Schutz. Sie gehören zu den streng geschützten Arten, die – neben anderen Verboten – nicht getötet werden dürfen.

Vor dem Hintergrund des Fledermausschlags an Windenergieanlagen sind in jüngster Zeit in zahlreichen Fällen Anträge zur Errichtung von Onshore-Anlagen von den zuständigen Behörden nicht oder nur mit Auflagen genehmigt worden. So sind Baugenehmigungen zunehmend an Betriebseinschränkungen in Form von zeitweiligen Abschaltungen und an die Verpflichtung zu einem Fledermausmonitoring nach Errichtung der Anlagen geknüpft. Stellenweise scheinen die Auflagen einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen unmöglich zu machen.

Das Forschungsvorhaben hat das Ziel, die Vorgänge und Faktoren die zum Tod der Tiere führen, an einer repräsentativen Anzahl von Anlagen im Bundesgebiet näher zu untersuchen. Dabei soll ermittelt werden, welchen Einfluss die verschiedenen Faktoren (z.B. Windgeschwindigkeit, Temperatur, Jahreszeit, Uhrzeiten, Landnutzung der Umgebung) auf den Fledermausschlag haben. Die erforderlichen Daten zur Fledermausaktivität an den Anlagen werden mit Hilfe von akustischen Detektoren im Gondelbereich sowie aus der Totfundsuche gewonnen. Zusätzlich kommen Wärmebildkameras zum Einsatz. Darauf aufbauend sollen Maßnahmen zur Vermeidung entwickelt werden, damit die Belange des Artenschutzes beim Ausbau der Windkraftnutzung in Deutschland berücksichtigt werden können. Bereits während der Projektlaufzeit soll durch Workshops, Kooperationen und Veröffentlichungen für eine schnelle Einbindung der Ergebnisse in die Praxis gesorgt werden.

Zuständigkeiten der Projektpartner:
Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung:

  • Projektkoordination, Projektdarstellung
  • Betreuung der Untersuchungen an den Anlagen in Norddeutschland
  • Entwicklung und Test von Methoden der Schlagopfersuche
  • Durchführung und Auswertung der Schlagopfersuche
  • GIS gestützte Umfeldanalyse der Untersuchungsstandorte
  • Entwicklung von Empfehlungen für Planungs- und Genehmigungsverfahren

Universität Erlangen – Institut für Zoologie, Lehrstuhl II:

  • Test von Detektorsystemen und Entwicklung akustischer Monitoring-Verfahren
  • Betreuung der Untersuchungen an den Anlagen in Süddeutschland
  • Auswertung der akustischen Aktivitätsmessungen
  • Durchführung der Wärmebildkamerabeobachtungen

Forschungsinstitut für Optronik und Mustererkennung – Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften e.V. (FOM), Ettlingen

  • Einsatz Wärmebildkameras
  • Bildaufzeichnung und -auswertung

ENERCON GmbH, Aurich:

  • Beratung Anlagentechnik und ggf. Entwicklung Fernabfragesystem

Veröffentlichungen im Rahmen des Projektes (chronologisch):

  • BRINKMANN, R., BEHR, O., DE WOLF, B. & NIERMANN, I. 2007: Bundesweites Forschungsvorhaben zur "Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen" angelaufen. Nyctalus (N.F.) 12 (2-3): 288-289. (Download: 2,08 MB)
  • NIERMANN, I., BEHR, O., & BRINKMANN, R. 2007: Methodische Hinweise und Empfehlungen zur Bestimmung von Fledermaus-Schlagopferzahlen an Windenergieanlagen. Nyctalus (N.F.) 12 (2-3): 152-162. (Download: 6,2 MB)
  • BEHR, O., HELVERSEN, O.v., MAGES, J., NIERMANN, I., REICH, M., DE WOLF, B., BRINKMANN, R. 2008: Automatisierte akustische Aktivitätserfassung von Fledermäusen im Rotorbereich von Windenergieanlagen.
    Teil A: Einführung (Download 49 KB).
    Teil B: Installationsanleitung Batcorder (Download 4,2 MB)
    Teil C: Installationsanleitung SD1 (Download 1,9 MB)
  • NIERMANN, I., BRINKMANN, R., KORNER-NIEVERGELT, F. & BEHR, O. 2011: Systematische Schlagopfersuche - Methodische Rahmenbedingungen, statistische Analyseverfahren und Ergebnisse. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 40-115, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • NIERMANN, I., BRINKMANN R., KORNER-NIEVERGELT, F. & BEHR, O. 2011: Windbedingte Verdriftungen von Fledermausschlagopfern an Windenergieanlagen – ein Diskussionsbeitrag zur Methodik der Schlagopfersuche. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 116-129, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • BEHR, O., R. BRINKMANN, NIERMANN, I. & MAGES, J. 2011: Methoden akustischer Erfassung der Fledermausaktivität an Windenergieanlagen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 130-144, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • ADOMEIT, U., NIERMANN, I., BEHR, O. & BRINKMANN, R. 2011: Charakterisierung der Fledermausaktivität im Umfeld von Windenergieanlagen mittels IR-Stereoaufnahmen. Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 145-176, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • BEHR, O., R. BRINKMANN, NIERMANN, I. & KORNER-NIEVERGELT, F. 2011: Akustische Erfassung der Fledermausaktivität an Windenergieanlagen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 177-286, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • BEHR, O., BRINKMANN, R., NIERMANN, I. & KORNER-NIEVERGELT, F. 2011: Vorhersage der Fledermausaktivität an Windenergieanlagen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 287-322, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • KORNER-NIEVERGELT, F., BEHR, O., NIERMANN, I. & BRINKMANN, R. 2011: Schätzung der Zahl verunglückter Fledermäuse an Windenergieanlagen mittels akustischer Aktivitätsmessungen und modifizierter N-mixture Modelle. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 323-353, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • BEHR, O., R. BRINKMANN, NIERMANN, I. & KORNER-NIEVERGELT, F. 2011: Fledermausfreundliche Betriebsalgorithmen für Windenergieanlagen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 354-383, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • NIERMANN, I., S. VON FELTEN, KORNER-NIEVERGELT, F., BRINKMANN, R. & BEHR, O. 2011: Einfluss von Anlagen- und Landschaftsvariablen auf die Aktivität von Fledermäusen an Windenergieanlagen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 384-405, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • BRINKMANN, R., KORNER-NIEVERGELT, F., BEHR, O. & NIERMANN, I. 2011: Darf bezüglich des Kollisionsrisikos von einer Windenergieanlage auf bestehende oder geplante Anlagen in der Umgebung geschlossen werden? – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 406-424, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • BRINKMANN, R., BEHR, O., F. KORNER-NIEVERGELT, F., MAGES, J., NIERMANN, I. & REICH, M. 2011: Zusammenfassung der praxisrelevanten Ergebnisse und offene Fragen. – In: BRINKMANN, R., BEHR, O., NIERMANN, I. & REICH, M. (Hrsg.): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum Bd. 4, 425-457, Cuvillier Verlag, Göttingen.
  • KORNER-NIEVERGELT, F., KORNER-NIEVERGELT, P., BEHR, O., NIERMANN, I., BRINKMANN, R. & HELLRIEGEL, B. 2011: A new method to determine bird and bat fatality at wind energy turbines from carcass searches. Wildl. Biol. 17: 350-363.
  • KORNER-NIEVERGELT, F., BRINKMANN, R., NIERMANN, I. & BEHR, O. 2013. Estimating bat and bird mortality occurring at wind energy turbines from covariates and carcass searches using mixture models. PlosOne 8:e67997.

weitere Informationen erhalten Sie bei:
Dipl.-Ing. Ivo Niermann (Email: niermann@umwelt.uni-hannover.de).