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Urbanes Grün in der integrierten Stadtentwicklung – Strategien, Projekte, Instrumente

Urbanes Grün in der integrierten Stadtentwicklung – Strategien, Projekte, Instrumente

Leitung:  Prof. Dr. Rainer Danielzyk (IUP), Dipl.-Ing. Runrid Fox-Kämper (ILS)
Team:  Dipl.-Geogr. Martin Sondermann, M.Sc. Linda Funke, Dr. Pia Steffenhagen
Jahr:  2012
Förderung:  Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEBWV NRW), ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung
Laufzeit:  September 2011 - März 2012
Ist abgeschlossen:  ja

Kurzbeschreibung:

Grüne Freiräume und begrünte Gebäude in urbanen Räumen erfahren in der aktuellen Stadtentwicklungs- und Planungsdiskussion eine zunehmende Bedeutung. Neben positiven Effekten für das Stadtklima und die urbane Flora und Fauna erhöht städtisches Grün die Wohn- und Aufenthaltsqualität und wirkt sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit der Bewohner aus. Trotz dieser ersichtlichen Vorteile mangelt es häufig an einer strategischen und nachhaltigen Grün- und Freiflächenentwicklung. Der Unterhalt von Grünflächen gilt gemeinhin als teuer, weshalb vielerorts die Pflegeintensität verringert und die Schaffung neuer Grünanlagen vermieden wird. Dennoch nehmen neben den klassischen Typen von Stadtnatur, wie öffentliche Parks und Kleingärten, seit Mitte der 1990er Jahre neue Formen urbanen Grüns weltweit und auch in Deutschland zu. Der Stellenwert dieser neuen urbanen Grünformen – wie Gemeinschaftsgärten, urbane Landwirtschaft, vertikales Grün – für eine nachhaltige Raumentwicklung ist in der kommunalen Praxis noch nicht hinreichend bekannt und wurde bisher kaum systematisch in die Stadtentwicklung integriert. Im Mittelpunkt des Projekts, gefördert vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr (MWEBWV NRW) und dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), stand die Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den Möglichkeiten der vielfältigen Formen urbanen Grüns für eine nachhaltige Entwicklung urbaner Räume. Gute Beispiele von Stadtbegrünungen in Nordrhein-Westfalen wurden analysiert, um die Bandbreite an Formen und Potenzialen, an Akteuren, Konflikten und kommunalen Handlungsoptionen aufzuzeigen. Es wurden Empfehlungen zur Zielverankerung gegeben sowie zur konkreten Umsetzung mit verschiedenen Akteuren auf regionaler, gesamtstädtischer und auf Quartiersebene.

Projektbeschreibung:

"Urbanes Grün" erlebt eine Renaissance – in den Medien und öffentlichen Diskussionen, in Stadtentwicklungsprogrammen und in zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen. Projekte zur Entwicklung von grünen Ringen und Korridoren in und um Städte, Gemeinschaftsgärten und urbane Landwirtschaft zeugen von einem neuen Interesse, sich mit dem Thema "Grün in der Stadt" aktiv und innovativ auseinanderzusetzen.

Das Thema "Urbanes Grün" ist Teil einer übergeordneten Diskussion um nachhaltige Raumentwicklung, welche sich seit Ende der 1980er Jahre zu einem globalen Leitthema entwickelt hat. Die "nachhaltige europäische Stadt" ist heute ein allgemein anerkanntes Leitbild für eine integrierte Entwicklung der Stadt als lebenswerter Raum zum Leben, Arbeiten und Erholen. Der Weg zur nachhaltigen Stadt ist jedoch nicht einfach zu beschreiten, da die kommunale Praxis zugleich mit der Bewältigung einer Vielzahl von Aufgabenstellungen konfrontiert ist, zu denen die Entwicklung von Anpassungsstrategien an ein sich wandelndes Klima und an eine sich ausdifferenzierende, alternde und vielerorts abnehmende Bevölkerung gehören. Gleichzeitig reichen die Finanzmittel kaum zur Bewältigung kommunaler Alltagspflichten und der Pflege des Bestands.

Urbanem Grün kommt ein besonderer Stellenwert zu, da es verschiedene dieser 'Baustellen' der Stadtentwicklung gleichzeitig angeht: Vom Spielplatz im Stadtpark bis hin zur Dachbegrünung kann urbanes Grün durch seine ausgesprochene Multifunktionalität einen signifikanten Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung leisten.

Hierzu gehören:

  • die Erhöhung der Lebensqualität durch die Nutzung für Sport und Freizeit;
  • die Verbesserung der Gesundheitssituation durch eine Verminderung von Hitzestress und die Verbesserung der Luftqualität (Bindung von Treibhausgasen und Luftschadstoffen);
  • die Lärmreduzierung und Grundwasseranreicherung.
  • Aktuelle Forschungen zeigen zudem, dass Grün auch zu den so genannten weichen
  • Standortfaktoren gehört und sich positiv auf Grundstückswerte auswirken kann.
  • Letztlich dient Grün natürlich auch als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. […]


Die Ergebnisse aus der Fallstudienanalyse zeigen in der Gesamtschau, welche Ansätze einer integrierten, grünen Stadtentwicklung derzeit in der kommunalen Praxis verfolgt werden. So hat sich der Stellenwert urbanen Grüns in allen Fallstudienstädten in der letzten Dekade deutlich erhöht und ist essenzieller Bestandteil strategischer Planungen wie etwa von integrierten Stadtentwicklungskonzepten, Masterplänen, Entwicklungskonzepten etc., aber auch eigens erstellter Grünpläne. Die Bedeutung integrierter Konzepte für die Einbeziehung urbanen Grüns in die Stadtentwicklung wird in den Fallstudienkommunen anerkannt, vor allem auch durch die hierfür erforderliche ressortübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der kommunalen Verwaltung, die eine Überwindung sektoralen Denkens ermöglicht sowie die notwendige Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure.

Grundlage für die Strategieentwicklung in diesem Bereich war in einigen Fallstudienkommunen eine flächendeckende Erfassung und Bewertung des vorhandenen Grünflächenbestandes in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Zunehmend beziehen Kommunen auch die Ergebnisse von Stadtklimaanalysen in ihre Grünraumkonzepte ein. Vor diesem Hintergrund, aber auch zur Aufwertung der Freizeit- und Erholungsfunktion urbanen Grüns, gewinnt die Vernetzung vorhandener Grünflächen bzw. die Sicherung bestehender Grünachsen deutlich an Bedeutung. Beispiele innerhalb der Fallstudienkommunen verweisen auf mögliche Impulse für die Stadtentwicklung, die aus einer stadtgeschichtlichen und gartendenkmalpflegerischen Betrachtung urbanen Grüns resultieren.

Projektbericht

Bläser, Kerstin; Danielzyk, Rainer; Fox-Kämper, Runrid; Funke, Linda; Rawak, Myriam & Sondermann, Martin (2012): Urbanes Grün in der integrierten Stadtentwicklung. Strategien, Projekte, Instrumente. Düsseldorf: Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Download


Weitere Veröffentlichungen

Adam, Brigitte; Bieker, Susanne & Sondermann, Martin (2014): Freiräume in der Stadt (Facheditorial). In: RaumPlanung. Fachzeitschrift für räumliche Planung und Forschung 172.

Sondermann, Martin (2013): Urban Gardening in Germany: Forms, Challenges, Strategies. In: Fox-Kämper, R.; Keshavarz, Nazila (Hrsg.): Event Report Poznan. Urban Allotment Gardens in European Cities – Future, Challenges and Lessons Learned (COST Action TU1201), Aachen: ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, S. 15-22. Download

Steffenhagen, Pia & Sondermann, Martin (2013): Urbane Gärten in der integrierten Stadtentwicklung - Stadtgrün als Forschungsfeld. In: Leibniz Universität Hannover (Hrsg.): Gartenkunst und Landschaftsarchitektur. Unimagazin, S. 40-44. Download

Fox-Kämper, Runrid; Sondermann, Martin (2013): Strategie Grüne Stadt. Ansätze kommunaler Grünentwicklung. In: RaumPlanung 169 (4): 47-51.

Fox-Kämper, Runrid & Sondermann, Martin (2012): Beim Planen soll Grün gleichberichtigt sein. In: Städte- und Gemeinderat. Die Fachzeitschrift für Kommunal- und Landespolitik in Nordrhein-Westfalen 66 (6): 8-10.

Levin-Keitel, Meike &Sondermann, Martin (2012): Die anpassungsfähige Stadt. Wunsch, Leitbild und Planungspraxis. In: RaumPlanung. Fachzeitschrift für räumliche Planung und Forschung 164: 8-13.


Tagung „Urbanes Grün in der integrierten Stadt- und Quartiersentwicklung“

Basierend auf dem Projekt veranstaltete das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr (MBWSV NRW) gemeinsam mit dem ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung eine Tagung, die am 24. Juni 2013 in Dortmund stattfand.