Publikationen (FIS)

Zielkonflikte zwischen Biodiversitätsschutz und Prozeßschutz bei der Regeneration des ehemaligen Küsten- und Wiesenvogelschutzgebietes „Priwall“ bei Travemünde

Verfasst von

Matthias Braun

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Planung der nachhaltigen Regeneration eines ehemaligen Küsten-Vogelschutzgebietes, der Halbinsel „Priwall“ in der Mündung der Trave in die Lübecker Bucht, der südwestlichsten Förde der Ostsee. Zunächst mussten die ökologischen Ursachen für den Niedergang der Brutkolonien und der Rastbestände der bodenbewohnenden Wat- und Wasservogelpopulationen, auch unter besonderer Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung, erkannt werden. Die anschließende Bewertung der Regenerationsfähigkeit der in ungünstigem Zustand befindlichen Ökofaktoren ermöglichte im Rahmen einer abgestimmten Leitbildentwicklung die Formulierung der Ziele für eine Regeneration und eine daraus abgeleitete Maßnahmenplanung. In Kapitel 1 wird das charakteristische Brut- und Rastvogelinventar des Priwalls als das einer ostseeküstentypischen Weidevogelzönose herausgearbeitet. In diesem Kapitel wird zudem die besondere ökologische Funktion der Brutkolonie des Kiebitzes (Vanellus vanellus) auf dem Priwall als ökologischer Schutzschirm für den Bestand einer arten- und individuenreichen Weidevogelzönose dargestellt. Kapitel 3 beschäftigt sich daher insbesondere mit den ökologischen Ansprüchen der Brutkolonie des Kiebitzes auf dem Priwall. In diesem Zusammenhang wird durch eigene Untersuchungen auf dem Priwall, sowie in den Vergleichsgebieten Meggerkoog (Kreis Schleswig-Flensburg, Eider-Treene-Sorge-Niederung) und Wallnau (Insel Fehmarn, Kreis Ostholstein) erstmalig besonderes Augenmerk auf die Beziehung zwischen der Höhe des an das als Bruthabitat dienende Grünland der „Priwallwiese“ angrenzenden Waldrandes auf die Verteilung der Kiebitzgelege gelenkt. Der gefundene signifikante Zusammenhang läßt für die Verhältnisse auf der Priwallwiese eine Sättigungsfunktion mit einem Grenzwinkel von 11° Horizonthöhe bezüglich der Eignung als Neststandort erkennen. In Kapitel 4 erfolgt eine umfassende Beschreibung und Bewertung der biologischen Vielfalt auf dem Gebiet des heutigen Naturschutzgebietes „Südlicher Priwall“. In diesem Zusammenhang werden alle verfügbaren biologisch-ökologischen Daten, insbesondere seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts berücksichtigt. Kapitel 5 schließlich arbeitet aus den in den Vorkapiteln gegebenen Grundlagen die nachweislich erheblichen Faktoren der Degeneration und damit auch der Regeneration des ostseeküstentypischen Vogelschutzgebietes auf dem Priwall heraus, bewertet das Regenerationsvermögen qualitativ und quantitativ und formuliert daraufhin umfassende und bezüglich der Ist-Situation des Naturschutzgebietes „Südlicher Priwall“ abgewogene Zielvorstellungen für dessen Regeneration. Als wesentliche Maßnahmen werden, unter Bezugnahme des in Kapitel 3 hergeleiteten Zusammenhanges zwischen Waldrandhöhe und Grenzabstand der Kiebitznester, die Vergrößerung des Grünlandanteils in abgestorbene ehemalige Waldflächen und die Rücknahme der hohen Hybridpappeln am Rande der Großen Wiese angesehen. Der erkannte „Grenzwinkel“ erlaubt hierbei eine quantitative Beschränkung dieser Maßnahme auf das notwendige Minimum. Neben der Beibehaltung (bzw. Ausweitung) der Beweidung werden flankierend weitere Maßnahmen bezüglich der Anhebung des Wasserstandes sowie des Prädatorenschutzes entwickelt und dargestellt.

Details

betreut von
Michael Reich
Organisationseinheit(en)
Institut für Umweltplanung
Typ
Dissertation
Anzahl der Seiten
330
Publikationsdatum
11.12.2023
Publikationsstatus
Veröffentlicht
Elektronische Version(en)
https://doi.org/10.15488/15572 (Zugang: Offen )