Publikationen (FIS)

On the Institutional Design of Agri-Environmental Contracts: Evidence from Preferences, Attitudes, and Identities

Verfasst von

Christoph Schulze

Abstract

Diese kumulative Dissertation besteht aus drei eigenständigen Fachartikeln, die sich jeweils mit der institutionellen Ausgestaltung von Agrarumweltverträgen befassen. Agrarumweltverträge sind ein zentrales Instrument der Agrarpolitik, um landwirtschaftliche Betriebe zur Erbringung von Umwelt- und Naturschutzleistungen zu motivieren. Die Wirksamkeit der Verträge hängt wesentlich davon ab, ob ihr institutionelles Design die Entscheidungslogiken und Motivationen der beteiligten Akteure berücksichtigt. Bislang ist jedoch unzureichend erforscht, wie unterschiedliche Vertragsmerkmale das Verhalten von Landwirt:innen beeinflussen und wie unterschiedlich gestaltete Verträge von weiteren Stakeholdern bewertet werden. Ziel dieser Dissertation ist es daher, aus institutionen- und verhaltensökonomischer Perspektive zu analysieren, wie die Gestaltung von Agrarumweltverträgen die Teilnahmebereitschaft steigern und damit wirksamer zu Biodiversitäts- und Klimaschutzzielen beitragen kann. Die drei Artikel bauen sowohl inhaltlich als auch methodisch aufeinander auf. Der erste Artikel liefert einen systematischen Überblick über die empirische Literatur zu den Präferenzen von Landwirt:innen hinsichtlich Agrarumweltverträgen weltweit. Der zweite Artikel untersucht anhand eigener Daten aus Deutschland, wie Landwirt:innen, politische Entscheidungsträger:innen und intermediäre Organisationen Vertragsgestaltungen bewerten und welche institutionellen Merkmale sie priorisieren. Der dritte Artikel analysiert die Präferenzen von Landwirt:innen bezüglich privat finanzierter Agrarumweltverträge und leitet daraus Implikationen für die Weiterentwicklung privater, als auch öffentlicher Programme ab. Im Detail geht der erste Artikel der Frage nach: Was ist der aktuelle Stand der Wissenschaft im Bereich der stated-preference-Forschung zum Design von Agrarumweltverträgen? Je nach geografischem Kontext werden diese Verträge unterschiedlich konzipiert und als Payments for Ecosystem Services, Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) oder Conservation Covenants bezeichnet. Allen gemeinsam ist jedoch das Ziel, durch freiwillige Teilnahme die Bereitstellung von Ökosystemleistungen zu fördern. Dafür sind geeignete Anreizmechanismen entscheidend, um die Attraktivität und damit die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund setzt die Forschung zunehmend auf experimentelle Methoden, was zu einer Vielzahl empirischer Studien geführt hat. Der Artikel gibt einen systematischen Überblick über die peer-reviewte Literatur, die Discrete Choice Experiments (DCEs) mit Landwirt:innen im Kontext von Agrarumweltverträgen verwendet. DCEs sind eine Methode, die sich besonders für die Analyse von Präferenzen vor der Umsetzung von Politiken eignet. Der Artikel identifiziert zwei Haupttypen von Studien: diejenigen, die sich auf Landnutzungsvorgaben konzentrieren (z. B. Düngemittelbeschränkungen, Boden- oder Viehmanagement), und diejenigen, die sich mit Vertragsgestaltungsmerkmalen befassen (z. B. Vertragsdauer, technische Unterstützung, Monitoring). Diese Modalitäten werden im Artikel weiter in Anreizmerkmale unterteilt, die die Teilnahme motivieren, und Verpflichtungsmerkmale, die sich auf den erforderlichen Aufwand zur Vertragserfüllung beziehen. Der Artikel gruppiert die Ergebnisse entsprechend, kontextualisiert sie, identifiziert Forschungslücken und diskutiert methodische Entwicklungen bei der Umsetzung von DCEs mit Landwirten. Aufbauend auf dieser Literaturübersicht widmet sich der zweite Artikel empirisch den Perspektiven zentraler Stakeholder und fragt: Wie könnte die Gestaltung von Agrarumweltprogrammen basierend auf den Ansichten der Stakeholder aussehen? Hierzu wurden in Brandenburg, Deutschland, 25 Vertreter:innen aus Landwirtschaft, landwirtschaftlicher Beratung und Politik mit der Q-Methode interviewt, um gemeinsame und unterschiedliche Sichtweisen zu identifizieren. Die Einbeziehung mehrerer Stakeholdergruppen erlaubt es, sowohl institutionelle Unterschiede als auch potenzielle Schnittmengen in den Prioritäten zwischen den Akteursgruppen sichtbar zu machen. In den Interviews ordneten die Teilnehmenden vordefinierte Statements zu Vertragsmerkmalen und gewichteten diese anschließend. Die Analyse ergab drei zentrale Narrative, die jeweils einen Entwurf für ein Umweltprogramm nahelegen: ein niederschwelliges Programm, ein gezieltes Naturschutzprogramm und ein agrarökologisches Betriebsprogramm. Die Ergebnisse zeigen, dass sich ähnliche Sichtweisen über institutionelle Rollen hinweg finden, was Potenziale für konsensfähige Vertragsmodelle eröffnet. Der dritte Artikel knüpft an die im ersten Artikel identifizierten Forschungslücken an und greift zugleich Erkenntnisse aus dem zweiten auf. Im Zentrum steht die Frage: Welche Präferenzen haben Landwirt:innen für privat finanzierte Agrarumweltverträge? Grundlage ist ein DCE mit Landwirt:innen in Deutschland, das verschiedene innovative Vertragsmerkmale im Grünlandbereich untersucht. Analysiert wird, ob privat finanzierte Agrarumweltverträge ein geeignetes Instrument zur Förderung umweltfreundlicher Landwirtschaft darstellen und ob sie die Einführung innovativer Elemente wie ergebnisorientierte Zahlungen oder kollektive Ansätze erleichtern können. Wie öffentlich finanzierte Verträge sind auch private Verträge für Landwirt:innen freiwillig und erfordern sorgfältig gestaltete Anreize. Der Artikel prüft, ob Landwirt:innen ergebnisorientierte und kollektive Ansätze ansprechend finden, und vergleicht Präferenzen bezüglich privater und öffentlicher Verträge. Darüber hinaus wird untersucht, inwiefern die Identität der Landwirt:innen die Heterogenität der Präferenzen prägt. Ein gängiger Ansatz unterscheidet dabei zwischen produktivistischen Landwirt:innen, die hohe Erträge priorisieren, und umweltschützerischen Landwirt:innen, die Naturschutzleistungen als Ausdruck ihrer beruflichen Kompetenz betrachten. Die Ergebnisse zeigen, dass Landwirt:innen im Durchschnitt geringere Entschädigungen für die Teilnahme an öffentlichen Verträgen als an privaten verlangen. Unabhängig vom Vertragstyp steigen die geforderten Zahlungen, wenn Verträge ergebnisorientierte Zahlungen oder kollektive Umsetzung vorsehen. Zugleich erweisen sich die Präferenzen als stark heterogen, wobei ein erheblicher Teil dieser Unterschiede durch die Identität erklärt werden kann: Umweltorientierte Landwirt:innen verlangen geringere Entschädigungen und sind bereit, mehr Land einzubringen als ihre überwiegend produktivistisch geprägten Kolleg:innen. Die Dissertation schließt mit einer Synthese, die die Hauptergebnisse zusammenfasst und fünf zentrale Erkenntnisse ableitet, darunter praktische Implikationen und methodische Reflexionen. Hervorgehoben wird insbesondere der Nutzen der Q-Methode zur Erfassung von Stakeholder-Sichtweisen und zur fundierten Auswahl von Attributen in Choice-Experimenten. Zudem wird die Komplexität landwirtschaftlicher Entscheidungsprozesse beleuchtet und die Bedeutung der Integration verhaltensbezogener Variablen wie Identität betont. Inhaltlich diskutiert die Synthese das Verhalten von Landwirt:innen gegenüber innovativen Vertragsmerkmalen und privat finanzierten Modellen.

Details

betreut von
Bettina Matzdorf
Organisationseinheit(en)
Institut für Umweltplanung
Externe Organisation(en)
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Typ
Dissertation
Anzahl der Seiten
154
Publikationsdatum
21.01.2026
Publikationsstatus
Veröffentlicht
Ziele für nachhaltige Entwicklung
SDG 2 - Kein Hunger, SDG 13 - Klimaschutzmaßnahmen, SDG 15 - Lebensraum Land
Elektronische Version(en)
https://doi.org/10.15488/20404 (Zugang: Offen )