Dieser zentralen Frage widmete sich der 8. European Congress of Conservation Biology (ECCB) in Leiden, Niederlande, der Forschende, politische Akteure und Naturschutzpraktiker zusammenbrachte, um disziplinübergreifende Kooperationen und den Dialog in gesellschaftlich anspruchsvollen Zeiten zu stärken. Unser Institut war auf der Konferenz mit zwei innovativen Beiträgen vertreten.
Ein besonderer Meilenstein gelang dabei Anna-Lena Vollheyde: In der Woche der erfolgreichen Verteidigung ihrer mit summa cum laude bewerteten Doktorarbeit stellte sie ihre Forschung dem internationalen Fachpublikum der Konferenz vor. Unter dem Titel „Levers for biodiversity conservation and ecosystem services in pulse systems. An analysis from plot to policy level in the Mediterranean“ präsentierte sie Teile ihrer Arbeit als Posterbeitrag. Sie widmet sich in ihrer Forschung den bisher kaum untersuchten essbaren Hülsenfrüchten (englisch „pulses“). Ihre klare Botschaft: „Pulses can support arable flora if policy rewards the evidence“. Auf der Grundlage vegetationskundlicher und agronomischer Daten sowie Politikanalysen in Italien, Spanien und Kroatien zeigt sie, dass ökologischer Landbau und strukturreiche Agrarlandschaften die Vielfalt der Ackerflora fördern und nicht zwingend in Ertragsminderungen resultieren. Zugleich macht sie deutlich, dass die Europäische Agrarpolitik solche wissenschaftlich belegten Hebel bislang nur unzureichend berücksichtigt. Die Förderung des Hülsenfruchtanbaus allein reicht daher nicht aus; notwendig sind gezielte, evidenzbasierte Fördermaßnahmen.
Einen weiteren wichtigen Impuls lieferte Prof. Fritz Kleinschroth in einer Session zu den globalen Folgen von Lebensraumverlusten (habitat loss). In seinem Vortrag „Key lessons from 50 years of Germany’s impact mitigation regulation for biodiversity offsetting“ analysierte er die Entwicklung und die aktuellen Herausforderungen der 50-jährigen deutschen Eingriffsregelung. Angesichts des politischen Drucks, Infrastrukturverfahren zu beschleunigen und den realen Flächenausgleich durch finanzielle Ersatzgelder aufzuweichen, sprach er sich vehement gegen eine Schwächung dieses wichtigen Instruments aus. Statt einer Deregulierung plädierte er für Reformen: Durch standardisierte digitale Biotopkartierungen, den Einsatz moderner Technologien wie Drohnen, Fernerkundung und KI bei der Zustandserfassung sowie transparente, nationale GIS-Kataster kann die Eingriffsregelung modernisiert werden, um den Verlust von biologischer Vielfalt im Landschaftskontext auch in Zukunft effektiv und rechtssicher zu kompensieren.