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Naturpark Sauerland-Rothaargebirge: Landschaft lesen lernen – Naturschutz – Dorfentwicklung – Tourismus

Im Sauerland bei Kirchhundem
Die Exkursionsgruppe im Waldklassenzimmer Kirchhundem ...
... mit Ortsvorsteherin Tatjana Vente (li.) und weiteren Aktiven
Unterwegs auf dem alten Kirchweg zwischen Kirchhundem und Albaum
Auf der Wacholderheide im NSG ""Krähenpfuhl"
Antonius Klein, UNB Olpe, erläutert die Pflegemaßnahmen.
Quartier für eine Woche
Museumsleiterin Monika Löcken (li.) führt durch die Ausstellungen der "Wendener Hütte".
"Selektives Jäten" im Traufbereich der Rucksackherberge
Der Eingangsbereich der Herberge ...
...
... wird zum temporären Botanischen Garten.
Beim Dorfrundgang mit der kommunalen Wettbewerbs-Kommission "Unser Dorf hat Zukunft" ...
... stellt Christian Kruse die Ergebnisse seines Tagesstegreifs vor.
Bei Reinhard Flöper im Radiomuseum Heinsberg
Unterwegs im Kirchdorf Elspe
Blick auf Elspe mit Ortsvorsteher Wolfgang Poguntke
Aufstieg zum Weilenscheid, Standort einer keltischen Wallburg

Die Exkursion 2019 in den Naturpark Sauerland Rothaargebirge stand unter dem Motto "Landschaft lesen lernen – Naturschutz – Dorfentwicklung – Tourismus".
Vom 2. bis zum 6. September waren vierzehn Studierende mit Dr. Roswitha Kirsch-Stracke im Südsauerland (Kreis Olpe, Südwestfalen) unterwegs – ausschließlich zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Ab Hagen ging es mit dem Ruhr-Sieg-Express durch das Lennetal bis Lennestadt-Altenhundem. Das dortige Bahnhofsgebäude – 1861 errichtet aus Keratophyr, einem lokalen vulkanischen Gestein – war die erste Station der Exkursion. Hier konnten die gelungene Sanierung und Umnutzung zu einem Multifunktions-Gebäude und eine bedarfsorientierte Neugestaltung des Bahnhof-Vorplatzes begutachtet werden.

Per Bus ging es weiter Richtung Kirchhundem. Hier gab Susanne Kues-Gertz, stellvertretende Leiterin der Tourist-Info Lennestadt-Kirchhundem, einen Überblick über die aktuellen Tourismus-Projekte der beiden Kommunen. Anschließend traf die Exkursionsgruppe Ortsvorsteherin Tatjana Vente, gleichzeitig Vorsitzende des "Verein[s] der Freunde und Förderer der Kath. Grundschule St. Christophorus e.V." Gemeinsam mit einigen Vereinsmitgliedern und Kindern stieg die Gruppe von der Dorfmitte hinauf zum neu errichteten Waldklassenzimmer, das auf einem Bergsporn über dem Ort liegt. Der mit viel Eigenleistung hergerichtete Lernort im Wald wird nicht nur von Schulklassen, sondern ebenso von Jugendgruppen genutzt.
Weiter führte die Wanderung über den Alten Kirchweg bis zum Naturschutzgebiet Krähenpfuhl. Hier traf die Gruppe Antonius Klein von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Olpe. Herr Klein erläuterte den Lebensraum der subatlantisch geprägten Wacholder-Hochheide und verdeutlichte an zahlreichen Beispielen die notwendigen Pflegemaßnahmen, soll dieser Lebensraum in seinem Artenspektrum erhalten bleiben. Dabei zeigte er einprägsam die Diskrepanzen zwischen allgemein bekannten Pflegeempfehlungen und den vielen Problemen und Konflikten bei der konkreten Ausführung der Maßnahmen. Wohin zum Beispiel mit all dem Material, was bei der Landschaftspflege anfällt?

Albrecht Sandholz, Vorsitzender des Heimat- und Fördervereins Albaum e.V., begleitete die Gruppe anschließend über den alten Kirchweg hinunter bis ins Dorf Albaum. Hier erläuterte Herr Sandholz Einrichtung und Organisation des Albaumer Dorfladens ALDO, der seit 2011 erfolgreich und mit schwarzen Zahlen durch bürgerschaftliches Engagement betrieben wird.
Nach einem letzten Wegstück mit dem Linienbus erreichte die Gruppe das Dorf Heinsberg. Hier befindet sich seit dem Jahr 2000 in einem 250 Jahre alten Bauernhaus die Rucksackherberge am Rothaarsteig. Herbergsvater Christoph Henrichs, Vorsitzender der Dorf AG Heinsberg, berichtete über die Geschichte des Gebäudes. In der Selbstversorger-Küche fühlte sich die Gruppe gleich zuhause, und der erste Tag konnte gemütlich ausklingen.

An Dienstag ging es mit Linienbussen von Nordost nach Südwest einmal quer durch den Kreis Olpe bis ins Wendener Land. Hier wurde ein Zeugnis aus der Frühzeit der Industrialisierung Südwestfalens besucht, das Museum Wendener Hütte, ein altes Hütten- und Hammerwerk. Museumsleiterin Monika Löcken führte durch die Ausstellung "Eisenzeit – Bergland zwischen Kelten und Römern", die unter anderem Informationen zur frühen Siedlungsgeschichte der Region zeigt und Spuren in der Landschaft verständlich werden lässt. Ungewöhnliche Einblicke bot eine Ausstellung von Studierenden der Hochschule für Künste Bremen: "Die andere Sicht. Fotografien aus Südwestfalen". Weitab aller Klischees zeigen die Exponate in thematischen Bildserien Landschaft und Menschen.
Bei der anschließenden Landschafts-Erkundung entlang des Hütten-Wanderweges halfen Informationstafeln oder Infos über QR-Codes, die Spuren von Bergbau- und Hüttenwesen zu lesen. Mit Kaffee und Kuchen im historischen Gewölbekeller endete der Besuch auf der Wendener Hütte.

Der Mittwoch war ganztägig den Anliegen und dem Engagement der Heinsberger Bevölkerung für ihren Ort gewidmet.
Ab 5 Uhr morgens führten Studierende in Kleingruppen an den zwei südlichen Ortsausgängen Richtung Hilchenbach (Siegerland) differenzierte Verkehrs-Zählungen (KFZ-Kennzeichen, Fahrzeugart, Fahrtrichtung) durch. Die Ergebnisse dokumentieren die morgendliche Belastung der Dorfstraße durch den Durchgangs-Verkehr.

Anschließend leistete ein Teil der Gruppe einen Arbeitseinsatz rund um die Rucksackherberge: "Selektives Jäten" stand auf dem Arbeitsplan. Stark samende Pflanzen wie die Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis) wurden entfernt, während weniger ausbreitungsfreudige Wildkräuter stehen blieben. Diese Arten wurden beschriftet und so das Umfeld der Herberge als "temporärer Botanischer Garten" hergerichtet. Studierende wie interessierte DorfbewohnerInnen nutzten den ungewöhnlichen Lernort. Orts-Heimatpfleger Hermann-Josef Beckmann hier alle "Ausstellungsobjekte" fotografisch fest.

Eine andere Kleingruppe besuchte noch einmal den ALDO im Nachbarort Albaum. Hier arbeiten neben den ehrenamtlichen Kräften mittlerweile vier in Teilzeit angestellte Verkäuferinnen. Mit seinem immer wieder an den Bedürfnissen der Dorfbevölkerung angepassten Sortiment, dem Bank- und Postservice und der Café-Ecke ist der Laden ein wichtiger Treffpunkt im Ort.
Beeindruckt zeigten sich die Studierenden auch von der ungewöhnlichen Verwandlung des alten Kirchweges zu einem Kultur-Projekt der besonderen Art: 2017 hatte ein Kunstkurs des Gymnasiums Maria Königin in Altenhundem den an einem steilen Berghang entlang führenden "Kleffweg" mit 14 Kunstwerken ausgestattet.
Die Außenmauern der Albaumer Kirche ließ die Studierenden die Ähnlichkeit mit dem Bahnhofsgebäude Altenhundem erkennen: auch das Kirchengebäude wurde aus dem vulkanischen Gestein Keratophyr errichtet, das sich an der Luft leicht rötlich färbt.

An Nachmittag fand in Heinsberg die Begehung der kommunalen Wettbewerbs-Kommission "Unser Dorf hat Zukunft" statt. Student Christian Kruse, der bereits im Vorjahr mit in Heinsberg gewesen war, stellte der Kommission das Ergebnis seines damaligen Tagesstegreifs vor, einen Entwurf zum geplanten "Begrüßungsplatz" in der Dorfmitte.
Der Heinsberger Tag klang – schon traditionell – im Radiomuseum von Reinhard Flöper aus. Das Museum mit mehr als 400 Radios und weiteren Audio-Exponaten gehört zum Netzwerk Museumslandschaft Kreis Olpe, das über 20 große und kleinere Museen und Sammlungen verbindet, Fortbildungen anbietet und eine gemeinsame Außendarstellung fördert.

Am Donnerstagmorgen brach die Gruppe zum Dorf Elspe auf. Hier gab Orts-Heimatpfleger Wolfgang Poguntke einen Einblick in die über 1000-jährige Ortsgeschichte, erläuterte die Lage an Römerweg und Heidenstraße und die Baugeschichte und Ausstattung der Kirche St. Jacobus, in deren Mitte sich ein altes Kreuz befindet. Sein Alter wurde durch dendrochronologische Untersuchungen auf über 800 Jahre bestimmt.
In der Ortsmitte von Elspe ist noch heute zu erkennen, wie sich Siedlungsmuster durch unvorhergesehene Geschehnisse veränderten: nach einem großen Dorfbrand im Jahr 1805 wurde das ehemalige Haufendorf Elspe zu einem planmäßig angelegten Straßendorf, in dem alle Häuser giebelständig zur Straße standen und einen größeren Abstand voneinander hatten – als Schutz gegen weitere Dorfbrände durch Funkenflug.
Von Elspe aus wanderte die Gruppe mit Wolfgang Poguntke zur Wallburganlage auf dem Weilenscheid, einem Bergrücken südlich Elspe. Thematisch schloss sich hier der Kreis zur Ausstellung auf der Wendener Hütte, denn das Bodendenkmal auf dem Weilenscheid ist keltischen Ursprungs.

Auf der anderen Seite des Weilenscheids liegt die kleine Ortschaft Hachen. Hier wurde die Gruppe von Susanne Falk und Andreas Bieker erwartet. Familie Falk-Bieker hat vor 25 Jahren eine alte Hofanlage übernommen und liebevoll restauriert. Neben den Wohnbereichen befinden sich auf dem Hof eine Schreinerei, Seminar-Räume und das kulturwissenschaftliche Büro ZeitRaum. Auf der Obstwiese wird Gästen eine "Auszeit im Bauwagen" angeboten.
In Hachen gibt es weitere Ferienwohnungen, so dass die Dorfgemeinschaft ihren Gästen gerne einen thematischen Rundweg oder einen Weg mit besonderen Erlebnismöglichkeiten anbieten möchte. Hieraus ergab sich die Aufgabe für einen Wochenstegreif, deren Ergebnisse der Dorfgemeinschaft Hachen mittlerweile zur Verfügung stehen, z. B. "Spuren historischer Landnutzung in der Ortschaft Hachen", ein kompaktes Faltblatt für Wanderer, "Hachen mit Sinnen", eine Postkartenserie mit Anregungen zur bewussteren Landschaftswahrnehmung, "Was war hier mal? Das kleine Malbuch aus Hachen", ein Angebot für Kinder und schließlich "Suchen und Sammeln", ein Körbchen mit vielfältigen Anregungen zum Walderlebnis für Kinder und ihre Eltern.

Der fünfte Tag war der Rückreisetag nach Hannover, aber zuvor stand noch eine besondere naturgeschichtliche und touristische Attraktion des Südsauerlandes auf dem Programm: die Attahöhle in Attendorn. Sie gilt als das größte zusammenhängende Höhlensystem in Deutschland – und als die schönste Tropfsteinhöhle im Lande.

(Fotos: Vera Akimova, Roswitha Kirsch-Stracke, Mathis Züchner)

Exkursionsbericht