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Symposium "Der Heimatbegriff in der Nachhaltigen Entwicklung - Inhalte, Chancen und Risiken"

Symposium am 05. und 06. November 2004 in Hannover

Veranstaltet vom Institut für Landschaftspflege und Naturschutz (ILN) im Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung der Universität Hannover

Zum Heimatbegriff in der nachhaltigen Entwicklung

Symposium im Andenken an Prof. Dr. Konrad Buchwald (1914-2003)

"Heimat ist da, wo ich handlungsfähig bin", diese Definition stand am Ende der zweitägigen Veranstaltung, die am 5. und 6. November in Hannover stattfand.

Der langjährige Leiter des Instituts für Landschaftspflege und Naturschutz, Prof. Dr. Konrad Buchwald, der den Naturschutz der Bundesrepublik Deutschland richtungsweisend mitgeprägt hat, wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Dies nahm das Institut für Landschaftspflege und Naturschutz der Universität Hannover zum Anlass, die derzeitige Renaissance des Heimatbegriffs und seine Verwendung in lokalen und regionalen Prozessen der nachhaltigen Entwicklung kritisch zu beleuchten. Auch Konrad Buchwald hatte sich immer wieder mit dem Heimatbegriff befasst und ihn in einer vielleicht manchmal kritisch zu bewertenden Art interpretiert, sich dabei aber niemals kontroversen Diskussionen entzogen.

Am Symposium "Der Heimatbegriff in der Nachhaltigen Entwicklung - Inhalte, Chancen und Risiken" nahmen 75 Fachleute aus Wissenschaft und Planungspraxis (Landschafts- und Freiraumplanung, Architektur, Regionalentwicklung, Sozialwissenschaften, Ökologie, Umweltethik, Literatur) sowie aus Naturschutz- und Heimatbünden teil. Die Vorträge repräsentierten ein Meinungsspektrum von konsequenter Ablehnung des Begriffs "Heimat" bis hin zur klaren Befürwortung seiner Renaissance und sorgten am ersten Tag für höchst lebhafte Diskussionen. Am zweiten Tag weiteten VertreterInnen aus dem europäischen Ausland und aus Migrationsprojekten den Blick auf den Heimatbegriff.

Der Großteil der Teilnehmenden sprach sich gegen die Verwendung des Heimatbegriffs im Planungsrecht und in der offiziellen Verwaltungssprache aus. Befürworter sahen allerdings in der Argumentation mit dem "Heimatgefühl" eine Chance, die kulturelle Komponente des Naturschutzes zu stärken und eine lokale oder regionale Identität zu fördern. In Zeiten zunehmender Mobilität und Globalisierung wachse die Sehnsucht nach vertrauter räumlicher Umgebung, diese Empfindung könne mit dem Begriff "Heimat" umschrieben werden.

Gegen die Verwendung des Heimatbegriffes wurde ins Feld geführt, dass das Naturschutzgesetz mit seiner Forderung nach "Erhaltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Landschaft und ihres Erholungswertes für die Menschen" bereits ausreichend Möglichkeiten biete, die sinnlich-emotionalen und kulturellen Inhalte im Naturschutz zu vertreten. Auch sei der Heimatbegriff aufgrund seiner kaum fassbaren Vieldeutigkeit nicht operationalisierbar, zumal er in Zeiten der Globalisierung von vielen Menschen gar nicht mehr räumlich definiert werde. Weiterhin sei für viele Menschen "Heimat" nicht grundsätzlich positiv besetzt, sondern ebenso mit negativen Empfindungen wie Enge und mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten verbunden. Insbesondere aber lasse sich der Heimatbegriff nicht losgelöst von seiner Geschichte verwenden und bleibe stets mit den antidemokratischen und völkischen Tendenzen in der Gründungszeit des Natur- und Heimatschutzes sowie der rassistischen Interpretation im Nationalsozialismus verbunden.

Die Teilnehmenden waren sich trotz der teils unterschiedlichen Sichtweisen einig, dass der Begriff "Heimat" in Prozessen der nachhaltigen Entwicklung nur dann verwendet werden sollte, wenn er "von unten" eingebracht wird. Dabei ist es die Aufgabe der Planungsfachleute darauf achten, dass mit dem Heimatbegriff, der stets konkretisiert, hinterfragt und auf seine Sozialverträglichkeit geprüft werden muss, verantwortungsvoll umgegangen wird. Wenn dann "Heimat" so definiert wird wie von Mitgliedern des Göttinger Migrationsprojekts "Internationale Gärten e.V."- "Heimat ist da, wo ich handlungsfähig bin" -, stehen die Chancen gut, dass der Heimatbegriff nicht die Ab- oder Ausgrenzung einzelner Bevölkerungsgruppen beschreibt, sondern das Miteinander aktiver Menschen kennzeichnet, die sich gemeinsam ihre lebenswerte Umwelt erarbeiten.

Programm

Veröffentlichung: Kirsch-Stracke, Roswitha & Julia Wiehe (Red.) (2005): Der Heimatbegriff in der nachhaltigen Entwicklung - Inhalte, Chancen und Risiken. Symposium am 5. und 6. November 2004 in Hannover. Hg.: Institut für Landschaftspflege und Naturschutz, Universität Hannover. Weikersheim. 265 S. Weitere Infos und Bezug