Logo Leibniz Universität Hannover
Logo: Institut für Umweltplanung/Leibniz Universität Hannover
Logo Leibniz Universität Hannover
Logo: Institut für Umweltplanung/Leibniz Universität Hannover
  • Zielgruppen
  • Suche
 

Zur Geschichte der universitären Ausbildung in Landschaftsarchitektur und Umweltplanung

Die Anfänge der universitäten Ausbildung bis in die Zeit des Nationalsozialismus

Die universitäre Lehre der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung in Deutschland begann in Berlin. Hier entstand 1929 an der damaligen Landwirtschaftlichen Hochschule ein Institut für Gartengestaltung. Der erste Lehrstuhlinhaber, Prof. Erwin Barth, war zuvor Gartendirektor von Berlin gewesen. Sein Motto "Gärten um der Menschen willen" steht für die Verknüpfung der Gartenkunst mit einer sozialen Komponente. Erwin Barth konnte die Ausbildung jedoch nur wenige Jahre prägen, da er 1933 durch Freitod aus dem Leben schied.

Unter seinem Nachfolger Heinrich Wiepking wurde das Fach ab 1935 eng mit der nationalsozialistischen Eroberungspolitik verknüpft. Wiepking führte die (großräumige) Landschaftsgestaltung in die Ausbildung ein, die sein Vorgänger Erwin Barth noch ausgeklammert hatte und beantragte die Umbenennung des Instituts in "Institut für Landschafts- und Gartengestaltung". Sie erfolgte 1939.

Unter Leitung von Konrad Meyer, seit 1933 Mitarbeiter im Preußischen Kultusministerium und seit 1934 Professor für Agrarwesen und Agrarpolitik an der Universität Berlin, wirkte Heinrich Wiepking aktiv mit am "Generalplan Ost". Danach waren unter Heinrich Himmler die Vertreibung und der Tod von Millionen Menschen der osteuropäischen Völker vorgesehen, um mehr Lebensraum für Deutsche zu schaffen.
Dieses Bestreben schlug sich auch in der universitären Lehre nieder: "Der neue Osten" wurde zur "Aufgabe für unsere Studierenden". So formulierte Wiepking beispielsweise 1934 als Thema für eine Diplomarbeit, "die neue Stadt Auschwitz landschaftlich zu betreuen". Wiepkings 1942 erschienene "Landschaftsfibel" und seine zahlreichen Aufsätze in Zeitschriften wie "Neues Bauerntum" zeugen von seiner Einbindung in die NS-Eroberungspolitik.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde Konrad Meyer in Nürnberg angeklagt. Heinrich Wiepking jedoch konnte problemlos wieder tätig werden und ging nach Hannover. Auch Konrad Meyer arbeitete später hier erneut als Hochschullehrer.

 

Über 70 Jahre Lehre und Forschung zur Gestaltung der räumlichen Umwelt in Hannover

Zusammen mit dem Gartenarchitekten Wilhelm Hübotter gelang es Heinrich Wiepking, in Hannover den Studiengang neu aufzubauen. Im Jahr 1947 wurde in Sarstedt bei Hannover mit der Gründung einer Hochschule für Gartenbau und Landeskultur das "Institut für Landespflege, Landschafts- und Gartengestaltung" eingerichtet. Ein achtsemestriges Studium der Landespflege führte zum Abschluss "Diplom-Gärtner". 1952 erfolgte die Eingliederung der grünen Hochschule als "Fakultät für Gartenbau und Landeskultur" in die Technische Universität Hannover und zwei Jahre später der Umzug von Sarstedt nach Hannover-Herrenhausen. Hier nahm 1956 auch Konrad Meyer seine Tätigkeit als Hochschullehrer am neu eingerichteten Lehrstuhl für Landbau und Landesplanung auf.

1958 teilte man das bisherige Institut für Landespflege, Landschafts- und Gartengestaltung in ein Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur (heute Landschaftsarchitektur ILA) und ein Institut für Landschaftspflege und Naturschutz (ILN). Beide bildeten gemeinsam mit dem neuen Lehrstuhl für Landbau und Landesplanung, aus dem 1969 das Institut für Landesplanung und Raumforschung (ILR) entstand, die Abteilung Landespflege.

Fast drei Jahrzehnte hatte keine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Faches stattgefunden – weder in Hannover noch anderswo. Erst in den späten 1970er Jahren gehörten Seminare zur Zeit des Nationalsozialismus erstmals zum Lehrangebot, Dozent war Gert Gröning, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit dieser Zeit fand und findet in Hannover und andernorts eine Erforschung der Disziplingeschichte im Nationalsozialismus statt.

Wichtige Beiträge dazu sind:
Gröning, Gert und Joachim Wolschke 1983: Naturschutz und Ökologie im Nationalsozialismus. In: Die Alte Stadt 10, 1, 1-17.

Gröning, Gert und Joachim Wolschke-Bulmahn 1987: Die Liebe zur Landschaft. Teil 3: Der Drang nach Osten. Zur Entwicklung der Landespflege im Nationalsozialismus und während des Zweiten Weltkrieges in den 'eingegliederten Ostgebieten'. Arbeiten zur sozialwissenschaftlich orientierten Freiraumplanung 9. Minerva, München.

Kellner, Ursula 1998: Heinrich Friedrich Wiepking (1891-1973) – Leben, Lehre und Werk. Dissertation, Universität Hannover.

Etwa zeitgleich mit dem Beginn der geschichtlichen Aufarbeitung erfolgte eine Neuorientierung der Disziplin, die als Paradigmenwechsel bezeichnet werden kann. Gerade in Hannover wurde in jenen Jahren durch Gert Gröning und Werner Nohl eine soziale Orientierung in die Ausbildung eingebracht. Der alte, historisch belastete Begriff der "Landespflege" wurde durch die neue Bezeichnung "Freiraumplanung" abgelöst, der für eine nutzerorientierte Ausrichtung der Disziplin stehen sollte und stand (erstmals dazu: Gröning, Gert und Werner Nohl 1972: Freiraumplanung – Versuch einer Orientierung. In: Stadtbauwelt 63, 34, 108-109).

Die gesellschaftliche Diskussion über soziale und politische Reformen führte 1974 in Hannover zur Gründung des "Instituts für Landschaftsplanung der Ballungsräume". Etwa zeitgleich wurde das Studium grundsätzlich reformiert, bereits 1971 das Projektstudium eingeführt und der Studienabschluss in "Diplom-Ingenieur der Landespflege" umbenannt.
Die Soziologie wurde in Hannover als Kernfach in die Ausbildung aufgenommen und war mit einer Professur vertreten (Prof. Ulfert Herlyn, Prof. Wulf Tessin). Sie fand schließlich auch ihren Platz in einem Institutsnamen: Aus dem "Institut für Landschaftsplanung der Ballungsräume" wurde das Institut für Freiraumentwicklung und Planungsbezogene Soziologie (IFPS). Seit 1980 gaben Gert Gröning und Ulfert Herlyn die Buchreihe "Arbeiten zur sozialwissenschaftlich orientierten Freiraumplanung" heraus. Auch diese Phase ist heute bereits Geschichte: Mit der Emeritierung von Prof. Dr. Wulf Tessin entfiel 2008 die Professur für Planungsbezogene Soziologie.

1980 wurde im Zuge der Abschaffung der Fakultäten und der Bildung kleinerer Einheiten aus der Abteilung Landespflege der Fachbereich Landespflege; das 1967 ergänzte Institut für Vegetationskunde (heute Institut für Geobotanik) wechselte in den Fachbereich Biologie.

Die Studienreform in den 1980er Jahren behielt das praxisorientierte Projektstudium bei; wer nun seinen Abschluss erreicht hatte, war "Diplom-Ingenieurin oder Diplom-Ingenieur der Landschafts- und Freiraumplanung". Der Fachbereich gab sich in den 1990er Jahren den neuen Namen "Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung". Die Aufnahme der Bezeichnung "Umweltentwicklung" in den Fachbereichsnamen verdeutlicht die seit den 1980er Jahren verstärkte Ausrichtung auf ökologische Lehr- und Forschungsinhalte, vor allem vertreten am Institut für Landschaftspflege und Naturschutz (ILN).

 

Heute: Eine gemeinsame Fakultät mit der Architektur

Mit der Neuordnung der Universität Hannover im Jahr 2006 und der Bildung von Fakultäten als größeren Einheiten entstand aus den beiden Fachbereichen Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung sowie Architektur die gemeinsame Fakultät für Architektur und Landschaft.

Kurz zuvor waren die beiden Institute für Landschaftspflege und Naturschutz sowie für Landesplanung und Raumforschung zum Institut für Umweltplanung (IUP) zusammengeschlossen worden; sie bestehen heute als Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz und – seit 2010 mit neuem Namen – als Abteilung Raumordnung und Regionalentwicklung innerhalb des IUPs.

Zum WS 2006/07 wurde das Studienangebot auf den Bachelor-Studiengang "Landschaftsarchitektur und Umweltplanung" und die beiden Master-Studiengänge "Landschaftsarchitektur" und "Umweltplanung" umgestellt. Studienprojekte bilden weiterhin die zentrale Lernform. Als internationaler Studiengang wurde zum WS 2014/15 zusätzlich der "European Master in Territorial Developement – EuMiTD" eingeführt.

Zum WS 2020/21 erfolgte eine Umbenennung:
Der M.Sc. Umwelt- und Regionalplanung, Major Naturschutz und Landschaftsplanung löste den bisherigen "M.Sc. Umweltplanung" ab.
Der M.Sc. Umwelt- und Regionalplanung, Major Regionalplanung löste den bisherigen "M.Sc. European Master in Territorial Developement – EuMiDT" ab.