Publikationen (FIS)
Entwicklung der Libellenfauna einer Paludikultur-Versuchsfläche in den ersten drei Jahren nach ihrer Etablierung
- verfasst von
- Felix Zitzmann, Lara Diekmann, Delia Schulte, Felix Fischer, Jana Ehling, Michael Reich
- Abstract
Paludikultur umfasst die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser und wiedervernässter Moorböden. Zur Bedeutung dieser neuartigen Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt besteht erheblicher Forschungsbedarf. Wir haben daher untersucht, welche Bedeutung eine Paludikultur-Versuchsfläche (Gesamtgröße 0,4 ha; darin vier je 10x10 m große Versuchsbecken mit verschiedenen Anbauvarianten, die genauer untersucht wurden) mit Schilf und Rohrkolben im niedersächsischen Landkreis Oldenburg als Lebensraum für Libellen aufweist und wie sich deren Libellenfauna in den ersten Jahren (2022–2024) nach ihrer Etablierung entwickelt hat. Um die Bedeutung der Paludikultur auf Landschaftsebene zu ermitteln, haben wir 2022 und 2024 zudem in mehreren Gewässertypen (Graben, Kanal, See, Teich, Bach) der Umgebung Libellenerfassungen durchgeführt. Insgesamt konnten wir in der Paludikultur 25 Arten nachweisen, von denen 20 (80%) in mindestens einem der Jahre sicher oder wahrscheinlich bodenständig waren. Die Artenzahl nahm mit der Zeit leicht zu (15→18→17), die Anzahl sicher oder wahrscheinlich bodenständiger Arten hingegen geringfügig ab (14→13→12). Innerhalb der Paludikultur wies das Versuchsbecken mit den konstantesten Wasserständen und den geringsten Austrocknungsphasen in jedem Jahr die höchste Anzahl sicher bodenständiger Arten und die größte Anzahl gefundener Großlibellen-Exuvien auf. Die Zusammensetzung der Libellenfauna der Paludikultur veränderte sich vor allem von 2022 zu 2023/2024 deutlich: Arten vegetationsarmer Gewässer nahmen stark ab, während Arten vegetationsreicher Gewässer deutlich zunahmen. Von den insgesamt 31 Arten, die wir innerhalb des Landschaftsraumes (Paludikultur und Referenzgewässer) nachweisen konnten, kamen 25 (81%) in mindestens einem der Jahre auch in der Paludikultur vor. Acht der 31 Arten (26%), darunter die „Rote Liste Arten“ Ceriagrion tenellum, Ischnura pumilio, Lestes dryas und Sympetrum danae, konnten wir ausschließlich in der Paludikultur nachweisen. Insgesamt stellte die untersuchte Paludikultur-Versuchsfläche im betrachteten Landschaftsraum in diesem Zeitraum das wichtigste Libellengewässer mit dem naturschutzfachlich bedeutsamsten Arteninventar dar und hatte somit eine herausragende Bedeutung für die Libellenfauna auf Habitat- und Landschaftsebene. Der Einfluss der regelmäßigen Ernte der Kulturen auf die Libellenfauna, die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf kommerzielle Paludikulturen und mögliche Maßnahmen zur Förderung von Libellen werden diskutiert. Als Maßnahme zur Aufwertung von Paludikulturen für die Libellenfauna schlagen wir auf Basis unserer Ergebnisse „Libellenfenster“ vor, also dauerhaft wasserführende, besonnte Offenbereiche in kommerziellen Paludikulturen, in denen auf eine Anpflanzung von Schilf oder Rohrkolben verzichtet wird, um wichtige Fortpflanzungshabitate für Libellen zu schaffen. Zu diesen und weiteren Aspekten besteht jedoch weiterhin erheblicher Forschungsbedarf.
- Organisationseinheit(en)
-
Institut für Umweltplanung
Naturschutz und Landschaftsökologie
- Typ
- Artikel
- Journal
- Libellula
- Band
- 44
- Seiten
- 199-223
- ISSN
- 0723-6514
- Publikationsdatum
- 12.2025
- Publikationsstatus
- Elektronisch veröffentlicht (E-Pub)
- Peer-reviewed
- Ja