Publikationen (FIS)

Bedeutung von Kurzumtriebsstreifen in einem modernen Alley Cropping Agroforstsystem als Lebensraum und potenzielles Biotopverbundelement für Waldlaufkäfer (Coleoptera: Carabidae)

verfasst von
Nils Hammelmann, Felix Zitzmann
Abstract

Alley Cropping Agroforstsysteme mit Kurzumtriebsstreifen (KS) sind neuartige Landnutzungssysteme, in denen Streifen mit schnellwachsenden Gehölzen zwischen Ackerflächen etabliert werden, um gleichzeitig Holz und Feldfrüchte zu produzieren. Durch KS entstehen neue Strukturen und Lebensräume in Agrarlandschaften. In dieser Arbeit wurde auf einer Versuchsfläche in Niedersachsen untersucht, welche Bedeutung zwei KS-Varianten (KS-K: Konventionelle Variante mit Pappelklonen im Kurzumtrieb und KS-A: Zuzüglich zu Pappelklonen Aspen mit längeren Umtriebszeiten) für Laufkäfer aufweisen und dabei ein Schwerpunkt auf deren Funktion als Lebensraum und potenzielles Biotopverbundelement für Waldlaufkäfer gelegt. Zudem erfolgten Erfassungen in verschiedenen Gehölzlebensräumen (Wald, Baumreihe, Kurzumtriebsplantage (KUP) und Hecke), um das Inventar an Waldarten und mögliche Quellbiotope bzw. -populationen in der Umgebung zu ermitteln und deren Lebensraumfunktion mit den KS zu vergleichen. Die Laufkäfererfassungen mit Bodenfallen erfolgten von Ende März bis Anfang Oktober 2024. Beide KS-Varianten wurden, ebenso wie KUP und Hecke, von eurytopen Laufkäferarten dominiert. Von den insgesamt 11 Waldarten in den Quellbiotopen Wald und Baumreihe – darunter mit Carabus glabratus und Abax parallelus zwei Reliktarten historisch alter Wälder – wurden mit Carabus coriaceus und Limodromus assimilis lediglich zwei Arten lichter Wälder mit wenigen Individuen in KS, Hecke und KUP nachgewiesen. Die Laufkäferbestände der KS-Varianten unterschieden sich hinsichtlich ihrer Artenzahlen und -zusammensetzung kaum voneinander. Insgesamt kam den untersuchten KS als Lebensraum und potenzielles Biotopverbundelement für Waldlaufkäfer im hier betrachteten Raum keine nennenswerte Bedeutung zu. Ihr weiteres Biotopentwicklungspotenzial für Waldarten wird zudem als gering eingeschätzt, da durch die Gehölzernte ihr Lebensraumpotenzial für Waldlaufkäfer regelmäßig herabgesetzt wird und sie in 10–15 Jahren aufgrund des nachlassenden Stockausschlagvermögens der Gehölze planmäßig gerodet werden. Dennoch dürften KS für die Laufkäferdiversität im Vergleich zu Ackerflächen ohne Gehölzstrukturen förderlich sein und die Durchlässigkeit der Landschaft für Arten erhöhen, die intensiv genutzte, strukturarme Ackerflächen meiden.

Organisationseinheit(en)
Institut für Umweltplanung
Naturschutz und Landschaftsökologie
Typ
Artikel
Journal
Angewandte Carabidologie
Band
16
Seiten
15-29
Publikationsdatum
16.12.2025
Publikationsstatus
Veröffentlicht
Peer-reviewed
Ja
Elektronische Version(en)
https://doi.org/10.54336/AC1602 (Zugang: Offen)