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Margarete Ida Boie (1880-1946) und Helene Varges (1877-1946) – Pionierinnen im Naturschutz

Leitung:Dipl.-Ing. Roswitha Kirsch-Stracke
Bearbeitung:Dipl.-Ing. Beate Ahr
Laufzeit:September 2008 - April 2009
Förderung durch:gender_archland

Margarete Ida Boie und Helene Varges arbeiteten von 1904 bis 1928 gemeinsam auf Juist, Norderney, in Emden und vor allem auf Helgoland und Sylt. Am Beispiel dieser beiden Frauen wurde das Wirken von Naturschutz-Pionierinnen in Deutschland und die Rezeption ihrer Arbeiten untersucht. Die beiden naturforschenden sowie künstlerisch und schriftstellerisch tätigen Frauen veröffentlichten über 30 Bücher zu Natur und Landschaft der Nordseeküste und ihrer Inseln. An zahlreichen weiteren Werken waren sie beteiligt, darüber hinaus erarbeiteten sie Schautafeln für die Vogelschutzwarte Helgoland, und Helene Varges leitete zeitweilig die biologische Abteilung des Sylter Seefahrer-Museums in Westerland.

Ganz besonders in ihrem Jugendbuch „Ferientage auf Sylt“, 1928 veröffentlicht in der Schriftenreihe „Naturschutzbücherei“ der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen, geben Margarete Ida Boie als Schriftstellerin und Helene Varges als Illustratorin ein frühes Beispiel von Umweltbildung und „unterhaltsamer“ Öffentlichkeitsarbeit für Naturschutzbelage, wie sie in ähnlicher Art heute als innovativ gilt: In Form einer Erzählung wird die Notwendigkeit des Inselschutzes durch freiwillige Rücksichtnahme vermittelt, um die Inselnatur zu schützen und ihren Erlebniswert – wichtigste Voraussetzung für den Inseltourismus – nachhaltig zu sichern.

Diese frühen Beispiele teilweise auch staatlich geförderter Umweltbildungsarbeit waren bisher weder in der Geschichte zum staatlichen Naturschutz noch in der Geschichte der Bildung für nachhaltige Entwicklung präsent. Warum?
1. Genderspezifische Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für Naturschutzengagement hatten genderspezifische Formen des Engagements zur Folge.
Ein wissenschaftliches Studium, wesentliche Voraussetzung für den Zugang in die höheren Verwaltungsebenen des Naturschutzes, stand Frauen in Preußen erst ab 1909, die Habilitation erst ab 1920 offen. So sind Frauen zwar im staatlichen Naturschutz als Sekretärinnen oder Bibliothekarinnen zu finden, aber vor allem außerhalb staatlicher Strukturen als Erzieherinnen, Mäzeninnen oder – wie Margarete Boie und Helene Varges – als Schriftstellerinnen und Künstlerinnen. Verbindungen zum staatlichen Naturschutz bestanden dabei durchaus: Für Margarete Ida Boie z.B. durch ihre mehrjährige Tätigkeit als nichtwissenschaftliche Hilfskraft von Hugo Conwentz in Danzig, für beide Frauen als Autorinnen staatlich herausgegebener Handreichungen (s.o.).
2. Genderspezifische Formen des Naturschutzengagements machen andere als „die üblichen“ Vorgehensweisen und Quellenstudien notwendig. Erforschung von Frauenaktivitäten im Naturschutz erfordert scheinbar „abWegiges“.
Beschränkt man sich in der historischen Erforschung des (staatlichen) Naturschutzes auf die üblichen Quellenarten wie Verzeichnisse von Personen in mehr oder weniger führenden Positionen, Tagungsprogramme, wissenschaftliche Veröffentlichungen etc., so treten Frauen kaum auf. Eher waren sie außerhalb vorgegebener Strukturen aktiv, in dem sie z. B. wie Margarete Ida Boie und Helene Varges aus ihren künstlerischen Berufen heraus agierten.

Die Pilotstudie umfasst folglich:
1.  Darstellung der Quellenlage
     - eigene Veröffentlichungen und Werke von Margarete Ida Boie und Helene Varges
     - Veröffentlichungen über Margarete Ida Boie und Helene Varges
       (Sekundärliteratur, Rezeption)
     - unveröffentlichte schriftliche und bildliche Quellen
     - mündliche Quellen (Zeitzeugen)
2. Kurzbiografien von Margarete Ida Boie und Helene Varges
3. Zusammenarbeit von Margarete Ida Boie und Helene Varges mit anderen Personen
    aus Kunst, Wissenschaft, Heimatforschung und Tourismus
4. Quellenanalyse in Bezug auf
    -  Anliegen und Einstellung der Autorinnen
    -  Arbeitweise
    -  Themen, Inhalte und Vermittlungsformen
5. Bewertung des Werkes und seiner öffentlichen Wahrnehmung
6. Aufzeigen von Forschungslücken und Formulierung von Forschungsfragen
7. Methodische Empfehlungen für weitere Forschungen zum Beitrag
    von Frauen in den Anfängen des Naturschutzes.

Publikationen

Ahr, Beate & Kirsch-Stracke, Roswitha (2010): „Die künstlerische Freude am Reichtum der Naturformen gab den Anlass“. Die Naturschutz-Pionierinnen Margarete Boie (1880-1946) und Helene Varges (1877-1946). Pilotstudie zur Quellenlage.

Schriftenreihe des Forums für GenderKompetenz in Architektur Landschaft Planung, gender_archland: weiter_denken 1, Hannover, 80 S. und Anhang auf CD.

Kirsch-Stracke, Roswitha & Ahr, Beate (2012): Margarete Boie (1880-1946) und Helene Varges (1877-1946) – Pionierinnen im Naturschutz.

In: May, Ruth & Zibell, Barbara (Hrsg.): GenderKompetenz in Architektur Landschaft Planung. Ideen Impulse Initiativen. Schriftenreihe des Forums für GenderKompetenz in Architektur Landschaft Planung, gender_archland, Hannover, weiter_denken 3, 134-137.

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