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Identifizierung strategischer Hemmnisse und Entwicklung von Lösungsansätzen zur Reduzierung der Nutzungskonkurrenzen beim weiteren Ausbau der energetischen Biomassenutzung

Leitung:Prof. Dr. Michael Rode
Bearbeitung:Dipl.-Ing. Silke Gesemann
Laufzeit:2007 - 2010
Förderung durch:Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

Kurzbeschreibung:

Im Teilprojekt „Landnutzung und Naturschutz" des IUP wird eine Abschätzung der Effekte des abgeleiteten Biomasseausbaus auf Naturschutzbelange aus bundesweiter Sicht vorgenommen (Identifikation und Bewertung). Problemlösungsstrategien werden erarbeitet und konkrete politische Maßnahmen erörtert.

Projekthintergrund

Um die politisch vorgegebenen Ziele zur Nutzung nachwachsender Energieträger zu erreichen, werden in den kommenden Jahren erhebliche Mengen landwirtschaftlicher Fläche von der Lebens- und Futtermittelproduktion auf die Energieproduktion umgestellt werden müssen. Diese Entwicklung wird zu einem verstärkten Flächendruck führen, der sich bereits heute abzeichnet. Gleichzeitig steigt der Druck für Nutzungsintensivierungen auf Wälder und bislang extensiv oder nicht (mehr) genutzte Flächen. Die Erzeugung pflanzlicher Rohstoffe zur Bioenergiegewinnung konkurriert damit sowohl mit der Lebens- und Futtermittelproduktion und der zunehmenden Rohstoffbereitstellung der Land- und Forstwirtschaft für die industrielle stoffliche Verwertung als auch mit anderen Nachhaltigkeitszielen wie z. B. dem Biotopverbund (gemäß den Vorgaben in § 3 BnatSchG), dem Boden- und Gewässerschutz und dem Bedarf an Kompensationsflächen. Eine zusätzliche Verschärfung der Situation entsteht durch Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Pfaden zur energetischen Biomassenutzung. Für die Produktion der Endprodukte Wärme, Strom und Biokraftstoffe müssen z. T. unterschiedliche Arten von Biomasse bereitgestellt werden, die auf den nur einmal vorhandenen Flächen produziert werden.
Neben diesen direkten Konkurrenzen um die Ressource „Fläche“ können Landschaftsfunktionen indirekt von einer Ausweitung der Produktion und energetischen Nutzung von Biomasse so betroffen sein, dass andere Raumnutzungen eingeschränkt werden. Als Beispiele lassen sich die Trinkwassergewinnung, der Arten- und Biotopschutz, der Hochwasserschutz oder die Naherholung und der Tourismus nennen, die von veränderten Grundwassersickerungsraten, von sich änderndem Retentions- und Abflussvermögen von Böden und Beständen, von Veränderungen der Habitatqualitäten für Acker-, Grünland- und Waldlebensgemeinschaften,  bzw. durch Veränderungen des Landschaftsbildes beeinflusst werden. Gleichzeitig ist durch eine zunehmend komplexere Zielsetzung der Biomassenutzung auch bei der Frage der politischen Priorität eine gewisse Konkurrenz gegeben, die es zunehmend zu berücksichtigen gilt.
Dabei ist klar herauszustellen, dass diese Konkurrenzsituationen nicht zwangsweise von Nachteil für die weitergehende Biomassenutzung sein müssen. Sie sind aber dann problematisch, wenn der Markt auf diese Konkurrenzsituation nicht angemessen reagieren kann (z. B. durch weitere Differenzierung der Sortimente, Ausweichen auf andere Produkte, Effizienzsteigerungen) bzw. wenn weitere unerwünschte negative Implikationen damit verbunden sind. Folglich ist davon auszugehen, dass nachteilige Konkurrenzsituationen dann weitgehend vermieden werden können, wenn bei der Umsetzung der Strategien zur weitergehenden Biomassenutzung diese Konkurrenzen frühzeitig berücksichtigt und ihnen adäquat Rechnung getragen wird.
Vor diesem Hintergrund führt das Institut für Umweltplanung (IUP) der Leibniz Universität Hannover führt gemeinsam mit dem Institut für Energetik und Umwelt (IE) seit November 2007 das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) geförderte Projekt “Identifizierung strategischer Hemmnisse und Entwicklung von Lösungsansätzen zur Reduzierung der Nutzungskonkurrenzen beim weiteren Ausbau der energetischen Biomassenutzung“ durch. Übergeordnetes Ziel dieses Projektes ist es, mögliche direkte und indirekte Nutzungskonkurrenzen, die einer nachhaltigen Biomassenutzung im Wege stehen, festzustellen, zu analysieren und Lösungsvorschläge zur Konkurrenzvermeidung zu erarbeiten.

Dazu erarbeitet das Institut für Energetik und Umwelt Szenarien einer zukünftigen Biomassenutzung mit Hinblick auf die derzeitig diskutierten Biomassenutzungs-Strategien für den Zeitraum 2008 bis 2030. Dabei wird auch berücksichtigt, dass bestehende Biomasse-Nutzungspfade teilweise bereits umfassend dem Marktgeschehen unterliegen (z. B. Wärme aus Biomasse) und neue Biomasse-Nutzungspfade mit neuen Technologien (z. B. BtL-Kraftstoffe) nur mittel- bis langfristig in den Markt integriert werden können.

Auf Grundlage dieser Szenarien wird das IUP die Effekte des zukünftigen Biomasseanbaus auf Naturschutzbelange abschätzen bzw. potenzielle Konkurrenzen zu den unterschiedlichen Zielen und Belangen des Naturschutzes herausarbeiten. Darauf aufbauend werden dann Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen negative Auswirkungen zu erwartender Konkurrenzen vermieden oder abgeschwächt werden können. Im Fokus stehen dabei übergeordnete bundesweit relevante Ziele, Vorgaben und Regelungen zu den Bereichen Erneuerbare Energien aus Biomasse, Naturschutz,, Wassernutzung etc. (z.B. gesetzliche Vorgaben, Nachhaltigkeitsverordnung, gute fachliche Praxis, EU-Vorgaben wie Cross Compliance, Agrarumweltprogramme, WRRL etc.), die in Wechselwirkung sowohl mit der Produktion und Nutzung landwirtschaftlicher als auch forstwirtschaftlicher Produkte stehen. Bereits heute zeichnen sich Auswirkungen der sich hin zur Energieproduktion ändernden Landnutzung auf den Naturhaushalt und (damit) auf nahezu alle anderen Raumnutzungen ab, von denen hier einige beispielhaft aufgeführt sind:

Landwirtschaft:
Durch die Ausdehnung der Produktion energetisch nutzbarer Biomasse kann es mittel- und langfristig zu einer zunehmenden Konkurrenz der verschiedenen Verwertungsrichtungen um die begrenzt verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche kommen. Dies ist bereits in einzelnen Regionen mit hoher Viehdichte und in Futteranbaugebieten beim Anbau von Mais zu erkennen, der sowohl in Biogasanlagen als auch in der Veredelung eingesetzt wird.

Forstwirtschaft:
Eine steigende Entnahme von Holz aus den Wäldern kann u. a. einen negativen Effekt auf die Waldböden und damit auf die nachhaltige Holzproduktion haben, da es durch den steigenden Nährstoffentzug zu einer Nährstoffverarmung und Versauerung der Böden  sowie zu einer Veränderung des Humusvorrates kommen kann. Dies ist von um so größerer Bedeutung, als dass Waldholz auch einen günstigen Ausgangsstoff für die ab 2015 großtechnisch zu erwartende BtL-Technologie (Biomass to liquid) darstellt, bei dem langfristige Lieferbeziehungen eine große Rolle spielen. Zudem hat die deutsche Holzwirtschaft bereits deutliche Befürchtungen artikuliert, dass bei gleich bleibender Entwicklung auf dem Holzmarkt für Sägewerke und weiterverarbeitende Holzwerke in absehbarer Zeit Standortprobleme zu erwarten seien, da die Einsatzstoffe zu hochpreisig würden.

Wasserversorgung:
Mit einem großflächigen Anbau von Kulturen mit hohem Wasserbedarf, wie z.B. intensiv betriebenen Kurzumtriebsplantagen mit Pappeln oder Weiden, können Änderungen im Gebietswasserhaushalt einhergehen, die ebenso wie ein steigender Austrag von Nährstoffen bei einem zunehmendem Anbau düngeintensiver Kulturen mit einer Beeinträchtigung der Trinkwassergewinnung verbunden sind.

Hochwasserschutz:
Der Anbau von Kulturen mit einer abflusshemmenden Wirkung wie Mais oder Sonnenblumen kann den Hochwasserabfluss beeinflussen, was besonders in Überschwemmungsgebieten negativ zu bewerten ist.

Arten- und Biotopschutz:
Der zunehmende Flächendruck kann dazu führen, dass naturschutzfachlich wertvolle Restflächen wie Säume, Gewässerrandstreifen und Grenzertragsstandorte wieder intensiv in Nutzung genommen werden, so dass deren Funktion als Lebensraum, Puffer oder Vernetzungselement verloren geht. Zudem werden Grünland zu Ackerland umgewandelt und im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen geförderte extensive Wirtschaftweisen aufgegeben.

Tourismus: Ein landschaftlich  bzw. regional großflächiger Anbau einzelner Energiepflanzen kann zu Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und zum Verlust der kulturlandschaftlichen Eigenart führen, der die Erholungseignung von Landschaften herabsetzt.

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