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Frisch gebundene Flechthecke bei Nieheim, gut zu erkennen: die charakteristischen drei Lagen
Beim ersten Arbeitseinsatz am 14. Februar werden die Haselhecken ausgelichtet.
Ulrich Pieper (links) zeigt, wie die Knoten gebunden werden, ....
... die auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden können.
Die Nieheimer Heckenflechter Ulrich Pieper (li.), Wolfgang Schlick (5.v.re.) und Wilfried Erbsland (re.) mit Studierenden nach dem ersten gemeinsamen Arbeitstag
Der zweite Arbeitseinsatz am 13. März findet bei strömendem Regen statt, ...
... was der Motivation und dem Ergeiz, die richtige Knotentechnik zu lernen, wenig Abbruch tut. (alle Fotos: R. Kirsch-Stracke und Exkursionsgruppe)

Arbeitseinsatz an den Nieheimer Flechthecken im Frühjahr 2020

Flechthecken sind eine kulturhistorische besondere Form der Feldeinfriedung. Das Flechten von Hecken unter Nutzung von gewachsenen Naturmaterialien war früher in Europa weit verbreitet. Im Raum Nieheim in Ostwestfalen hat sich die Technik bis heute erhalten.

Wie dieses Kulturerbe gepflegt und weitergeführt wird, lernten Studierende der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung im Frühjahr 2020 bei der tatkräftigen Unterstützung der lokalen Akteure vom Nieheimer Arbeitskreis „Flechthecken“: Im Februar und März 2020 fuhr die Gruppe zwei Mal mit Dr. Roswitha Kirsch-Stracke nach Nieheim, um die Haselhecken auszulichten und das Flechten zu üben.

Für die Pflege der Flechthecken ist es vor allem notwendig, die Technik der Verknotung zu beherrschen. Dazu werden junge Weidenruten verwendet. Zuerst wird das zu dicke und zu dicht gewachsene Holz aus den Haseln herausgeschnitten. Einige stärkere Stöcke bleiben stehen, werden in Brusthöhe abgesägt und dienen als Pfosten für drei waagerechten Lagen, zu denen die verbliebenen, etwa Besenstiel dicken Äste gebogen werden. Ziel sind möglichst schmale, gleichmäßige Hecken mit einer Höhe von etwa 1,50 m. Nach ungefähr sieben Jahren werden sie neu eingebunden und eventuelle Ausfälle dabei repariert.

Die Anlage und Pflege von Flechthecken wurde 2018 in das Bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Die UNESCO-Generalkonferenz hat das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes im Jahr 2003 verabschiedet. Im Frühjahr 2006 trat es nach Ratifizierung durch 30 Staaten in Kraft. Deutschland, als einer von mittlerweile 178 Vertragsstaaten, ist dem Übereinkommen 2013 beigetreten. Unter dem Motto „Wissen. Können. Weitergeben“ setzt Deutschland das Übereinkommen mit verschiedenen Aktivitäten um. Ziel ist, die Vielfalt des lebendigen Kulturerbes zu erhalten, zu pflegen und zu fördern.   

Auch die Haubergs-Wirtschaft im Siegerland und angrenzenden Regionen, der Innerstädtische Erwerbs-Gartenbau in Bamberg und die traditionelle Dörrobst-Herstellung im Steigerwald stehen auf der bundesweiten Liste des Immateriellen Kulturerbes.

Ulrich Pieper zeigt, wie die Hecke geflochten wird. (Video)